15.03.2016  |  4 MINUTEN LESEZEIT

Auch bei Studium im Ausland: Chance bei Hochschulstart für Medizin nutzen!

Verfasst von Kai Först

Auch wer bereits im Ausland studiert, kann sich vorsichtshalber jedes Semester neu für das erste Fachsemester über Hochschulstart bewerben! Allerdings ist es gar nicht so einfach, über Hochschulstart einen Studienplatz zu ergattern:

Rund 42.000 Abiturienten/Abiturientinnen bewerben sich jedes Wintersemester für die rund 9.000 Studienplätze in der Humanmedizin. In der Zahnmedizin sieht das Bewerber-pro-Studienplatz-Verhältnis mit rund 5 Bewerbern pro Studienplatz ganz ähnlich aus.

Der Konkurrenzkampf um die limitierte Zahl an Studienplätzen (Numerus Clausus) in der Medizin ist hoch. Und in den Vergabeverfahren der öffentlichen Hochschulen in Deutschland spielt die Abiturnote immer eine gewichtige Rolle, so sieht das der Gesetzgeber vor. Schließlich ist das Medizinstudium das mit Abstand teuerste Studium, was man in Deutschland belegen kann:

Rund 200.000 Euro gibt der Staat für eine/n fertig ausgebildete/n Mediziner/Medizinerin aus! (Zum Vergleich: Ein/e Jurist/in kostet den Steuerzahler rund 12.000 Euro).  Und da möchte man natürlich sicherstellen, dass zuerst mal diejenigen studieren, die schon in der Schule fleißig waren, sprich gute Noten hatten. Schließlich kann man – zumindest statistisch – davon ausgehen, dass diese das Studium dann auch in angemessener Zeit abschließen und den anspruchsvollen Beruf gut ausüben können.

Also vergibt die Stiftung für Hochschulzulassung – kurz Hochschulstart – zunächst einmal 20% der Studienplätze an die Abiturbesten (Abibestenquote). In der Abibestenquote liegt der Abischnitt, den du erreichen musst in der Regel bei 1,0 – in manchen Bundesländern auch knapp darunter.

Damit niemand vom Medizinstudium ausgeschlossen wird – müssen auch diejenigen zum Zuge kommen, die in der Schule nicht ganz so klasse abgeschnitten haben. Deshalb werden weitere 20% der Studienplätze in der Medizin über die Wartezeitquote vergeben. Hier mahlt der zuerst, wer am längsten wartet: Zurzeit mindestens 14 Semester – oder 7 Jahre.

auswahlquoten-frech

Übrigens ist es ganz egal, was du in der Wartezeit machst: Ob Weltreise, Auslandsstudium, World-of-Warcraft-Zocken oder eine Ausbildung zum medizinisch-technischen Radiologie-Assistenten: Deine Chancen in der Wartezeitquote steigen nur mit der Zahl der Wartesemester. Nur studieren darfst du nicht – zumindest nicht an einer bundesdeutschen Hochschule!

Inzwischen ist aber durchgesickert, dass eine gute Abinote noch lange keinen guten Arzt macht. Deshalb haben viele Unis inzwischen Auswahlverfahren eingeführt, die zwar die Abinote weiterhin berücksichtigen müssen, aber auch andere Kriterien in die Auswahl einbeziehen. Konkret sind das

  • Schulische Leistungen, die über deine fachspezifische Eignung Auskunftgeben. Das können etwa die Noten in Biologie oder Chemie sein, aber auch die Teilnahme naturwissenschaftlichen Bundes- oder Landeswettbewerben, wie etwa „Jugend forscht“.
  • Studierfähigkeitstests, wie der TMS (Test für medizinischen Studiengänge oder Medizinertest) oder der HAM-Nat (Hamburger Naturwissenschaftstest, wird auch in Berlin und Magdeburg genutzt)
  • Berufspraktische Erfahrung, wie etwa eine Berufsausbildung im medizinischen und therapeutischen Bereich, Pflegepraktika (ab 3 Monaten) oder Freiwilligendienst(ab 6 Monate) gewertet werden können.
  • Auswahlgespräche und so genannten Multiple Mini Interviews, die Aufschluss über die Motivation und die Identifikation mit dem Medizinstudium und dem Arztberuf geben.
  • Über diese so genannten Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH-Quote) werden 60% der Studienplätze in der Medizin vergeben. Und das heißt: In dieser Quote haben erstmal alle eine Chance, die keinen 1,0er Schnitt haben. Natürlich – und da braucht man gar nicht um den heißen Brei herumreden, bzw. -schreiben – werden die Chancen immer geringer, je schlechter deine Abinote ist.

Denn wie gesagt: Die Abinote muss in allen Verfahren berücksichtigt werden!

Rein rechnerisch ist es aber mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung im medizinischen Bereich, einem super guten Medizinertestergebnis bis zu einer Abinote von ca. 2,3 möglich, einen Studienplatz zu bekommen.
Auch wenn ich grundsätzlich nicht empfehle, nur auf diese Chance zu setzen.

Um an den Auswahlverfahren der Hochschulen teilzunehmen, musst du die Ortspräferenzen in deiner Hochschulstart-Bewerbung so setzen, dass du an den für dich aussichtsreichsten Auswahlverfahren teilnimmst.

Wie die Verfahren im Einzelnen funktionieren kannst du in den Auswahlsatzungen der Hochschulen nachlesen. Dazu einfach auf die Seiten der Unis surfen, und „Auswahlsatzung Medizin“ in die Suchmaske der jeweiligen Hochschule eingeben. (Wirst du so nicht fündig kannst du eine nette Mail ans Studiendekanat schicken und die Auswahlsatzung anfordern….)

Einen ersten Überblick zu den Auswahlverfahren der Hochschulen bietet natürlich auch die Stiftung für Hochschulzulassung unter www.hochschulstart.de

Buch_Wege_zum_Medizinstudium_grossNatürlich gibt’s auch einen Ratgeber, der die Auswahlverfahren detailliert beschreibt und außerdem zeigt, mit welcher Abinote du welche Bahn  auf dem Weg ins Medizinstudium nutzen solltest, nämlich das Buch „Erfolgreich zum Medizinstudium – wie ich mir einen Platz in Deutschland oder im Ausland sichere“ (Hogrefe Verlag)

Außerdem haben wir für euch eine Webportal konzipiert, das dir hilft, deine Ortspräferenzen bei Hochschulstart sinnvoll zu setzen: www.hochschulstarter.de.

Hier kannst du dir ausrechnen lassen, an welchen Unis du in den vergangenen Verfahren zugelassen worden wärst. Daraus lässt sich natürlich ableiten, ob und wie groß deine Chancen in den kommenden Semestern sind. Bitte beachte: Diese Dienstleistung ist kostenpflichtig!

Studienberatung für angehende Medizinstudenten bietet übrigens mein Team der privaten Berliner Studienberatung planZ. www.planz-studienberatung.de/studienberatung-medizin. Wir betreuen dich persönlich mit Rat und Tat bei deinem Weg ins Medizinstudium.

Für alle, die sich erstmal grundsätzlich informieren wollen gibt es unsere Abiturientenmesse Infotag zum Medizinstudium! Und wer dort nicht hinkommen mag oder kann, der nutzt einfach unseren Youtube-Kanal, in dem es ebenfalls spannende Infos zum Medizinstudium, zur Hochschulstart-Bewerbung aber auch zum Medizinstudium im Ausland gibt.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Bewerbungen und Spaß und Durchhaltevermögen im Medizinstudium!

Herzliche Grüße

Petra Ruthven-Murray
(Studienberaterin bei der privaten Berliner Studienberatung planZ)

Weitere Beiträge