Studienortwechsel in der Zahnmedizin: Von Rumänien nach Halle

Interview mit Viktoria aus Halle:

Wo hast du vor deinem Wechsel studiert? Wohin bist du gewechselt?

Ich habe in Iasi, in Rumänien studiert, an der Grigore T. Popa Universität für Pharmazie und Medizin. Ich bin dann an die Martin Luther Universität Halle / Wittenberg gewechselt.   

Auf welches Semester hast du dich beworben? Wie viele Semester hast du vorher an der anderen Universität studiert?

Ich habe mich auf das dritte Semester beworben. Vorher hatte ich zwei Semester in Rumänien studiert. Die Anrechnung hat bei fast allen Kursen geklappt. Manche Kurse wurden nicht anerkannt, da sich das Curriculum doch ein bisschen unterscheidet. Andere Kurse musste ich dafür aber nicht mehr belegen, da ich sie in Rumänien schon absolviert hatte. Das hat sich dann ausgeglichen. 

Wie ist der Wechsel an deine neue Universität verlaufen? Auf einer Skala von 0 ohne Probleme bis 10 sehr kompliziert

Das war sehr unkompliziert, ich würde sagen, eine 1. Es gab wirklich fast gar keine Probleme, abgesehen davon, dass mein Stundenplan ein bisschen anders war als der meiner Kommilitonen und ich am Anfang ein bisschen verwirrt war. Aber das ging eigentlich auch und hat sich schnell gegeben. 

Welche Schwierigkeiten oder Komplikationen sind im Studienablauf aufgetreten? Hättest du diese vermeiden können und wenn ja, wie?

Durch den Wechsel bedingte Komplikationen gab es eigentlich nicht. Also wie gesagt, manche Kurse hatte ich schon, andere fehlten mir noch. Es hat sich letztendlich alles gut gefügt. Meine Uni hat sehr darauf geachtet, dass ich trotzdem alles machen konnte, das war perfekt.

Was war die größte Herausforderung für dich?

Die größte Herausforderung war für mich, dass ich zunächst niemanden kannte und anfangs etwas verloren und verwirrt war. Im dritten Semester gibt es ja keine Orientierungswoche und ich bin zudem erst eine Woche später angekommen. Aber selbst das ging dann auch.

Wurden deine Studienleistungen angerechnet? Gab es hierbei Schwierigkeiten? Wenn ja, wobei?

Anatomie wurde mir nicht angerechnet, das musste ich in Deutschland noch mal machen. Darüber bin ich sogar sehr froh, weil ich in Deutschland viel mehr gelernt habe als in Rumänien und die Qualität viel besser war. Das Fach ist sogar zu einem meiner Lieblings-Kurse geworden. 

Physiologie wurde mir zum Glück angerechnet, weil das, zumindest an unserer Uni, ziemlich schwierig ist. In Rumänien war das auch schon so, da gab es keinen großen Unterschied. 

Manches wurde angerechnet, manches ging nicht. Das ist anscheinend sehr abhängig von der Uni, an der man vorher studiert hat. 

Wie lange hat es gedauert, bis du dich im Hinblick auf dein Studium an deiner neuen Universität “zu Hause” gefühlt hast?

Vielleicht zwei, drei Wochen. Das ging also wirklich sehr schnell. 

Und im Hinblick auf dein Sozialleben?

Ungefähr genauso lange. Ich hatte wirklich Glück, mein Semester ist super lieb, die haben mich gleich aufgenommen. Das ging wirklich sehr gut.

Was sind für dich die wesentlichen Unterschiede zwischen dem deutschen und dem rumänischen Hochschulsystem? 

Es wird vermutlich nicht so gern angesprochen, aber in Rumänien gibt es durchaus sehr viele Kommilitonen, die die Professoren bestochen haben, um die Prüfungen zu bestehen. Das gibt es in Deutschland natürlich nicht. Ich habe das System von Anfang an als fairer erlebt, weil es um die Leistung geht und nicht darum, wer sich leisten kann, dem Professor Geld zu geben.

Zudem ist die Qualität besser, das ist mir vor allem im Fach Anatomie aufgefallen. Die Professoren sind, wie ich finde, motivierter und sie kümmern sich besser um die Studenten. Eine gewisse Hierarchie gibt es ja überall, aber die kulturellen Unterschiede sind schon groß. In Rumänien konnte man den Professoren zum Beispiel nicht widersprechen oder man durfte manche Fragen nicht stellen. Hier geht das alles ohne Probleme.

Wie unterscheiden sich die Prüfungen?

Ich habe die Prüfungen in Deutschland um einiges fairer empfunden. Ich wusste ungefähr, worauf ich mich vorbereiten musste. In Rumänien – zumindest an meiner Uni – war der Prüfungsstoff häufig etwas willkürlich und deckte sich nicht immer mit den behandelten Unterrichtsinhalten. 

Das kommt in Deutschland bestimmt auch mal vor, manche Fächer sind einfach unnötig schwierig, da gibt es ja immer mal so Ausläufer. Aber die Prüfungen sind schon deshalb fairer, weil die Professoren, anders als in Rumänien, nicht davon ausgehen, dass man sie besticht.

Würdest du nochmal wechseln? Welche Gründe sprechen dafür, bzw. dagegen?

Ich würde definitiv noch mal wechseln. Unter anderem, weil ich anschließend in Deutschland arbeiten will und das mit einem deutschen Anschluss um einiges einfacher ist. 

Ein anderer Grund ist, dass es um einiges schwieriger ist, in einer anderen Sprache zu studieren. Auch wenn ich auf einem sehr guten C2 Level englisch spreche, ist es viel leichter, in meiner Muttersprache zu studieren.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Qualität der Ausbildung in Deutschland um einiges besser ist: Man hat vielleicht in Rumänien die Möglichkeit, mehr Zähne zu ziehen, weil man das gefühlt bei jedem da machen kann, in Deutschland lernt man aber in Prothetik und konservativer Zahnmedizin auf einem viel höheren Standard. Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich so lernen kann.

Gibt es etwas, das du uns, bzw. künftigen Bewerber:innen gerne mitgeben würdest, um den Wechsel noch einfacher zu gestalten?

Mit Bewerbungsrenner ist der Wechsel um einiges einfacher gewesen, als wenn ich es allein versucht hätte. Vor allem, weil meine Uni mit den Dokumenten etwas knauserig war. Das Zeugnis für ein Semester bekommt man eigentlich erst im darauffolgenden Semester und wenn’s schlimm kommt, sogar erst ein Jahr später. Es war schon genug Stress, die Dokumente zu besorgen, da hätte ich mich nicht auch noch darum kümmern wollen, wie die Bewerbungen an den einzelnen deutschen Universitäten funktionieren.

Also, wenn irgendjemand wirklich darüber nachdenkt, ob man Bewerbungsrenner beauftragt oder nicht – für mich war es das Geld hundert Prozent wert. In jeglicher Hinsicht. Als ich meinen Eltern erzählt habe, dass ihr mit mir ein Interview führen wollt, haben sie mir gesagt, dass ich das unbedingt machen soll. Auch die waren damals sehr glücklich und ich glaube, ohne Bewerbungsrenner hätte das nicht funktioniert. 

Meiner Meinung nach sollte man sich vor dem Wechsel nicht scheuen. Man denkt vielleicht im Ausland, die Qualität des Unterrichts ist ähnlich, aber es ist nicht so. Ich möchte meine Erfahrungen auf gar keinen Fall missen, schon allein weil ich ein anderes Land so gut kennengelernt habe. Aber wenn man vorhat, später in Deutschland zu arbeiten, ist es wirklich nicht schlecht, zu wechseln und am besten schon vor dem Physikum. Man lernt schon auf einem anderen Standard als in Rumänien.