Studienbewerber*in International und der Ortswechsel nach Deutschland?

In den folgenden Zeilen erklären wir was internationale Studieninteressierte sind und geben einige diesbezügliche Informationen zum Ablauf bei Studienbewerbungen ins höhere Fachsemester in Medizin und Zahnmedizin.

Denn: Die Studienbewerbungen für internationale unterscheiden sich zum Teil sehr stark vom Bewerbungsprozess für nicht-internationale Studienbewerber*innen.

Du wirst schnell merken, dass die Bewerbung für internationale Studienbewerber*innen durchaus anspruchsvoll werden kann und die jeweiligen Einzelfälle stark voneinander abweichen können. Eine Erfolgsformel, die für alle gleichermaßen gilt gibt es leider nicht.

Bitte beachte auch, dass die hier aufgeführten Informationen nicht verbindlich sind – Änderungen und Irrtümer sind vorbehalten. Die Universitäten können ihre Bewerbungsprozesse zudem für die internationalen Studienbewerber*innen stets ändern.

Daher: Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Informiere Dich im besten Fall vor Deiner Bewerbung immer direkt bei den Universitäten, bei denen Du Dich bewerben möchtest.

Aber klären wir erst einmal einige grundlegende Dinge.

1. Was sind „Internationale Studienbewerber*innen“ eigentlich?

Alle Studienbewerber*innen, die keine in Deutschland erworbene Hochschulzugangsberechtigung (kurz: HZB – also der zum Studium berechtigende Schulabschluss) haben, gelten im Bewerbungsprozess als „International“. Bei diesen Studierenden muss geprüft werden, ob die internationale HZB in Deutschland zum gewünschten Studium berechtigt, und wie diese bewertet werden kann – also welcher Note einer deutschen Hochschulzugangsberechtigung die internationale HZB entspräche. Besonders relevant ist dies natürlich bei NC-Studiengängen wie z.B. Medizin und Zahnmedizin. Allerdings spielt der NC im Vergabeverfahren im höheren Fachsemester nicht mehr an allen Hochschulen eine Rolle.

Hierbei handhaben die deutschen Universitäten die Einordnung sehr unterschiedlich. Bei Internationalen Studienbewerber*innen aus EU-Mitgliedsstaaten vereinfachen einige Hochschulen den Bewerbungsprozess für diese Bewerber*innen-Gruppe und setzen diese deutschen Studienbewerber*innen praktisch gleich. Andere Hochschulen verlangen von allen internationalen Studienbewerber*innen ein gesondertes Bewerbungsverfahren.

2. Was ist eine Hochschulzugangsberechtigung (HZB)?

Wie oben erwähnt, ist damit üblicherweise der Schulabschluss, der die Studieninteressierte Person zum Studium „qualifiziert“ gemeint. In Deutschland ist dies meist das Abitur, also die Allgemeine Hochschulreife. In der Regel ist es der höchstmögliche Schulabschluss des Herkunftslandes. Je nach Schulform und Land Deines Schulabschlusses ist es möglich, dass Dich Dein Schulabschluss zwar im Land Deiner Schule für ein Medizin- bzw. Zahnmedizinstudium qualifiziert, aber leider nicht in Deutschland.

3. Wie finde ich heraus, ob mein Schulabschluss mich für ein Medizin- oder Zahnmedizin-Studium in Deutschland berechtigt?

Die Kultusministerkonferenz – Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (kurz: ZAB) hat ein Online-Infoportal: „anabin“ (https://anabin.kmk.org/no_cache/filter/schulabschluesse-mit-hochschulzugang.html#land_gewaehlt).

Zur Prüfung von Berufs-, Hochschul- und Schulabschlüssen kannst Du hier einschätzen, ob Dein internationaler Schulabschluss Dich theoretisch für das Studium in Deutschland in Medizin bzw. Zahnmedizin berechtigt oder welche weiteren Qualifikationen Du vorher nachweisen musst. „anabin“ bietet also eine erste Möglichkeit zur Einschätzung.

Letztlich ist dann aber die behördliche Anerkennungsurkunde, bzw. Vordokumentationsprüfung Deiner HZB durch die Universität oder Uni Assist e.V., die endgültige Information darüber, wie Deine HZB anerkannt wird.

4. Ich habe meinen Schulabschluss im Ausland erbracht, habe aber die deutsche Staatsangehörigkeit – macht das einen Unterschied?

Tatsächlich kann das einen Unterschied machen. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich deutsche Staatsbürger*innen ihre internationale HZB in behördlichen Zeugnisanerkennungsstellen anerkennen lassen. Dabei spielt z.B. eine Rolle in welchem Bundesland Du lebst oder in welchem Bundesland, bzw. welcher Hochschule Du studieren möchtest. Zeugnisanerkennungsstellen findest Du ebenfalls über „anabin“ (direkt über: https://anabin.kmk.org/no_cache/filter/anerkennungs-und-beratungsstellen-in-deutschland.html).

Die Anerkennung hat den Vorteil, dass deine internationale HZB mit einer Urkunde als gleichwertig gegenüber einer deutschen allgemeinen Hochschulreife bewertet wird, und Du Dich wie Studieninteressierte mit deutschem Abitur bewerben kannst.

Für die Anerkennung benötigst Du immer auch einen deutschen Sprachnachweis – unabhängig von deiner Staatsangehörigkeit. Solltest Du zum Bewerbungszeitpunkt noch keine Anerkennungsurkunde haben, fordern einige Hochschulen von dieser Bewerber*innengruppe (=Deutsche Bewerber*innen mit ausländischer Hochschulzugangsberechtigung) ein gesondertes Anerkennungsverfahren (siehe z.B. https://www.uni-ulm.de/studium/bewerbung-und-immatrikulation/bachelorstudiengaenge-zulassungsbeschraenkt/zugangsvoraussetzungen/ ).

Mit behördlicher Zeugnisanerkennungsurkunde können wir Deine Bewerbungen übernehmen!

Internationale Studienbewerber*innen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit haben nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit ihre internationale HZB an einer Zeugnisanerkennungsstelle anerkennen zulassen. Auch das kann sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. In der Regel müssen sich diese Bewerber*innen als internationale Studienbewerber*innen direkt an die Hochschulen wenden. Informationen hierzu kannst Du ebenfalls über „anabin“ abfragen.

5. Und wenn ich eine Allgemeine Hochschulreife an einer deutschen Schule im Ausland gemacht habe und keine deutsche Staatsangehörigkeit habe?

Wenn Dein Schulabschluss eine deutsche Allgemeine Hochschulreife ist – egal ob an einer deutschen Schule in Deutschland oder einem anderen Land und Du keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, gibt es keine Besonderheiten im Bewerbungsverfahren. Deine HZB muss nicht mehr geprüft oder bewertet werden. Die Staatsangehörigkeit ist also nicht ausschlaggebend, auch nicht der Ort Deiner Schule, sondern lediglich, ob es ein deutsches Abitur ist. Formal giltst Du in diesem Fall als sog. Bildungsinländer*in.

Auch in diesem Fall kannst Du Dich ganz einfach durch uns bewerben lassen!

6. Ich habe einen internationalen Schulabschluss und eine internationale, also nicht-deutsche Staatsangehörigkeit und keine Zeugnisanerkennung. Wie bewerbe ich mich denn jetzt für ein Studium in Deutschland?

Gleich vorweg: Leider können wir Dich in diesem Fall nicht bewerben.

Das Bewerbungsprozedere unterscheidet sich bei internationalen Studienbewerber*innen allein aufgrund der internationalen HZB. Diese muss durch die Hochschulen wie bereits erwähnt, geprüft und bewertet werden, wenn keine behördliche Anerkennungsurkunde vorliegt. Etwa 1/3 der Medizin- bzw. Zahnmedizin-Unis in Deutschland übernimmt diesen Schritt selbst – 2/3 machen das Bewerbungs- und Prüfverfahren über den externen Partner Uni Assist e.V. – wobei es auch hier auf das Bewerbungssemester und die jeweilige Hochschule ankommen kann.

Bei internationalen Studienbewerber*innen müssen in der Regel auch weitere Dokumente eingereicht werden. Liegt die internationale HZB z.B. nicht in deutscher oder englischer Sprache (ggf. auch französisch) vor, muss das Zeugnis von einer*m behördlich geprüften Dolmetscher*in übersetzt werden. Es muss ein Sprachnachweis der deutschen Sprache häufig über mindestens einen C1 Level (siehe z.B. https://www.uni-heidelberg.de/de/studium/studium-international/sprachanforderungen-fuer-internationale-studierende ) nachgewiesen werden. Bei nicht EU/EWR-Bewerber*innen oder diesen Gleichgestellten muss auch ein Aufenthaltstitel bzw. Visum zum Teil kostenpflichtig beantragt und vorgelegt werden. All diese Kosten müssen von der Bewerber*in in der Regel selbst getragen werden.


Möchtest Du Dich an einer „Uni Assist-Universität“ bewerben, beginnt der Bewerbungsprozess für Dich schon deutlich früher, in der Regel mindestens 8 Wochen vor der eigentlichen Bewerbungsfrist der Hochschulen, weil die Prüfung Deiner Dokumente durch Uni Assist e.V. vor der eigentlichen Bewerbungsfrist abgeschlossen sein muss. Die Bewerbung an Uni Assist-Universitäten ist immer mit Kosten verbunden, die Du als Studieninteressierte Person übernehmen musst. Die Prüfung Deiner Dokumente, die sog. VPD, also Vorprüfungsdokumentation, kostet ab 70,00 € und jede Bewerbung weitere 30,00 € pro Hochschule und Bewerbungssemester (Stand: Februar 2024).

Bei allen weiteren Hochschulen bewirbst Du Dich direkt zu den gegebenen Bewerbungsfristen und wie die übrigen Bewerber*innen auch, zuzüglich aller für Dich geforderten Dokumente (wie z.B. Anrechnungsbescheid, Übersetzungen, Visums- und Sprachnachweis usw.). Ob die Bewerbung für Dich kostenlos ist, kann an einigen Hochschulen von Deiner Staatsangehörigkeit abhängen.

Beispielsweise verlangt die Uni Göttingen, die nicht mit Uni Assist zusammenarbeitet bei staatenlosen und nicht EU/EWR Bewerber*innen eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 65,00 € je Bewerbungssemester.

7. Ich möchte die Hochschule wechseln, mich also auf ein höheres Fachsemester an einer deutschen Uni bewerben. Bei welchen Hochschulen muss ich mich über Uni Assist bewerben, wenn ich eine internationale Hochschulzugangsberechtigung habe?

Das lässt sich gar nicht so leicht beantworten.

Über die Suchfunktion von Uni Assist e.V. findest Du theoretisch alle Hochschulen, die für die Internationalen Studienbewerber*innen mit Uni Assist zusammenarbeiten. Viele Hochschulen machen dies jedoch nur für das 1. Fachsemester, und einige auch nur bei Nicht-EU-Hochschulzugangsberechtigungen. Im Zweifelsfall sollten sich internationale Studieninteressierte am besten vor der Bewerbung mit diesen Universitäten in Verbindung setzen – wir empfehlen mindestens 10 Wochen vorher – um sicherzustellen in welcher Form die Anerkennung der HZB vorgelegt werden muss.
Um Dir ein bisschen Recherchezeit zu ersparen, listen wir Dir alle staatlichen Uni Assist-Hochschulen mit Infolink zur internationalen Bewerbung Medizin bzw. Zahnmedizin im höheren Fachsemester hier einmal auf:

Bundesland Bayern

Bundesland Hessen

Bundesland Mecklenburg-Vorpommern

Bundesland Niedersachsen

Bundesland Nordrhein-Westfalen

Bundesland Saarland

    • Universität des Saarlandes – Medizin & Zahnmedizin
      nach Rücksprache mit der Uni wurde bezüglich der HZB angeraten, die Hochschule im Vorfeld zu kontaktieren um die Anerkennung individuell zu klären. Pauschal konnte nicht beantwortet werden, ob eine Vorprüfungsdokumentation über Uni Assist e.V. auch im höheren Fachsemester erfolgen muss.
      https://www.uni-saarland.de/studium/bewerbung/grundstaendig/hoeheres.html

Bundesland Sachsen

    • TU Dresden – Campus Chemnitz – Nur Medizin
      siehe obigen Link

Bundesland Sachsen-Anhalt

Bundesland Schleswig-Holstein

8. Und wo bewerbe ich mich direkt?

An allen übrigen Hochschulen kannst Du Dich direkt zu den regulären Bewerbungsfristen online bewerben.

Jedoch macht die Universität Hamburg eine Ausnahme , da sie selbst eine Vordokumentationsprüfung Deiner Dokumente vornimmt. Diese musst Du vor Ablauf der Semester-Bewerbungsfrist beantragen (siehe https://www.uni-hamburg.de/campuscenter/bewerbung/international/studium-mit-abschluss/anerkennung-auslaendischer-schulbildung ).

Bitte beachte auch, dass einige dieser Hochschulen für das 1. Fachsemester mit Uni Assist zusammenarbeiten – diese sind mit Sternchen (*) markiert. Hier kannst Du im Zweifelsfall bei den Hochschulen nachfragen, wie Du Dich bewerben musst. Als Beispiel: An der Charité Universitätsmedizin Berlin ist eine Bewerbung ins höhere Fachsemester nur in Zahnmedizin möglich. Möchtest Du hier Medizin studieren, kannst Du Dich aktuell (Stand: Februar 2024) nur auf das 1. Fachsemester bewerben, was wiederum für internationale Studienbewerber*innen aus nicht EU/EWR-Ländern über Uni Assist e.V. erfolgen muss.

Aber jetzt hier auch nochmal eine Hochschulliste nach Bundesland geordnet, für Hochschulen mit der Bewerbung ins höhere Fachsemester in Medizin bzw. Zahnmedizin für internationale Bewerber*innen:

Bundesland Berlin

Bundesland Baden-Württemberg

    • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Medizinische Fakultät Mannheim Nur Medizin
      entspricht obigem Link

Bundesland Bayern

    • Universität Erlangen- Studiengang Bayreuth – Medizin & Zahnmedizin
      siehe Link Erlangen-Nürnberg

Bundesland Hamburg

Bundesland Hessen

Bundesland Mecklenburg-Vorpommern

Bundesland Niedersachsen

Bundesland Nordrhein-Westfalen

Bundesland Sachsen-Anhalt

Bundesland Sachsen

Bundesland Schleswig-Holstein

9. Wie sieht es mit meinen Erfolgschancen aus? Habe ich Vorteile oder Nachteile?

Wenn Du von einer Hochschule in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union eine endgültige Vollzulassung in Medizin bzw. Zahnmedizin hast und im selben Fach die Hochschule wechseln möchtest, wirst Du von den meisten deutschen Hochschulen als sog. „Ortswechsler*in“ eingestuft. Damit bist Du in der „Rangordnung“ der Studienplatzvergabe weit oben zusammen mit den Hochschulwechslern aus deutschen Hochschulen einstuft.

Ist Deine ausländische Hochschule in keinem EU-Mitgliedsstaat ist es in der Regel leider so, dass Du in der Randordnung der Studienplatzvergabe bei den deutschen Universitäten als sog. „Quereinsteiger*in“ eingestuft wirst – was Dich automatisch an die Stelle nach allen anderen Bewerber*innen setzt und Deine Erfolgschancen auf einen Studienortswechsel leider wesentlich unwahrscheinlicher werden lässt.

 

10. Wie kann ich einen Anrechnungsbescheid beantragen?

Neben der Anerkennung der HZB müssen auch die Studienleistungen in Medizin anerkannt werden. Wenn Du außerhalb von Deutschland geboren wurdest, ist immer das Landesprüfungsamt Nordrhein-Westfalen für die Bearbeitung zuständig..

Informationen zum Antragsverfahren im Landesprüfungsamt NRW findest Du unter folgendem Link: https://www.brd.nrw.de/themen/gesundheit-soziales/landespruefungsamt-fuer-medizin-psychotherapie-und-pharmazie-9

Wie auch bei allen anderen Unterlagen, musst Du auch für diesen Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamts (LPA) mit einer mehrwöchigen Bearbeitungszeit rechnen, in Ausnahmefällen kann die Bearbeitung allerdings auch mehrere Monate betragen, daher ist es auch hier ratsam sich im Vorfeld beim Landesprüfungsamt zu informieren.

Fazit: Die Bewerbungen für Internationale Studieninteressierte benötigt eine ganze Menge Durchhaltevermögen, wenn man alle Möglichkeiten an eine deutsche Universität zu wechseln nutzen möchte.

Wir wünschen allen internationalen Studienbewerber*innen viel Erfolg!